Deutsche Pfadfindergeschichte
Die bündische Phase bis 1933, Wer war Tusk, Was war die Meißner Formel?
Wohl die wichtigste und älteste Gruppe der Jugendbünde sind die Wandervögel von Herrmann Hoffmann ins Leben gerufen, ab 1900 von Karl Fischer weitergeführt und aufgebaut.
Von ihnen stammt das bedeutendste Frühwerk für bündische Liedkultur: der Zupfgeigenhansl. Sie erfanden u.a. auch den Hordentopf Die Wandervögel teilten sich immer wieder wegen Uneinigkeiten z.B. über Mädchen und Alkohol und bald gab es viele Unterbünde: Altwandervögel - Jungwandervögel -Wandervögel - Deutscher Bund für Jugendwandern. Schließlich schlossen sich die meisten 1913 wieder zusammen. Die Wandervögel bestanden erst nur aus Gymnasiasten, dann auch aus Volksschülern und Mädchen.
1913 trafen sich auf dem Hohen Meißner vom 10. - 12, Oktober 14 Jugendverbände zu einem Fest. Darunter 3 Wandervögelbünde, viele Studentenverbindungen, Lebensreformer und andere, die sich zur Freideutschen Jugend zusammenschlossen. Auf das gesamte Treffen und die Freideutsche Jugend hatten die Wandervögel allerdings großen Einfluss. Erst stand das Lager auf wackeligen Beinen, die Ziele waren auch erst nicht klar. Schließlich einigte man sich nach langen Diskussionen auf die Meißner Formel: Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen ein.Die Phase nach dem Krieg, die ca. 1920 entstand, wird die Bündische Phase genannt. Bei den Wandervögeln war der Zusammenhalt über das Wandern hinaus nicht besonders' stark. Die Bünde wollten aber Geschlossenheit und Gemeinsamkeit zeigen, die Idee des Bundes wurde ihr Leitmotiv. Zu den Wandervögeln hatten sich die Pfadfinder gesellt. Durch Verschmelzung beider Richtungen entstanden neue Formen und Ideen, die wieder typisch deutsch waren und sich von scoutistischen und jugendbewegten Elementen anderer Länder unterschieden. Die Bünde nahmen als oberstes Ideal das der Ritter oder Soldaten mit höchstem Ziel Tod fürs Vaterland an. So sahen sie sich als Elite und trugen vor allem daher die Bundeskluft. Da in der Weimarer Republik vieles unklar und chaotisch war, war der Bund ein wichtiger Halt.
Nun zu den Pfadfindern. Da diese Seite bei uns besser bekannt ist, nur kurz. Baden-Powell erfand das System der Boy Scout Kleingruppen und übertrug sie auf die Jugendarbeit ab 1907 (Brownsea). Das Lagerleben stand im Mittelpunkt. Durch die Übersetzung Alexander Lions von Scouting for Boys unter dem Titel Jungdeutsches Pfandfinderbuch wurde die Pfadfinderidee in Deutschland etabliert. 1911 wurde dann von Major Maximilian Bayer der Deutsche Pfadfinderbund gegründet.
Bei den Pfadfindern wurden die Gruppen entgegen den Wandervögeln von Erwachsenen. geführt, die pädagogische Ziele verfolgten. Da bei den Pfadfindern Staatsbürgererziehung angesagt war, wurden sie vom Staat unterstützt.
Nach dem 1. Weltkrieg wollten sich viele Pfadfinder nicht mehr von Älteren diktieren lassen, was sie zu tun hatten und wollten auch nichts mehr mit der militärisch-hierarchischen Ordnung zu tun haben. Diese Pfadfinder wurden also bündischer, blieben aber den Pfadfinderwurzeln treu. Sie sprengten militärische Strukturen und trugen keine Kluft mehr, sie wollten einen Mittelweg. Die Wandervögel ihrerseits wurden strammer. Ab 1920 gab es bei den Pfadfindern erste Abspaltungen wie die Neupfadfinder, da die Pfadfinder sich noch nicht reformieren lassen wollten. Weitere Reformer bildeten den Bund Deutscher Ringpfadfinder. Die Anzahl der Bünde, Spaltungen, Zusammenschlüsse und Neugründungen wuchs während der Weimarer Republik in schwer nachvollziehbare Dimensionen. Auch der DPB wurde bald jugendbewegt. 1925 fanden sich Ring- und Neupfadfinder unter einem Dachverband zusammen, dem Großdeutschen Pfadfinderbund. Auch gab es bereits konfessionelle Pfadfinder, wie die protestantischen Christlichen Pfadfinder oder die katholischen Neu-Deutschen. Deutlich nationalistisch und völkisch waren die Adler und Falken, Schilljugend und Artamanen. Aber immer noch gab es auch die traditionellen Wandervögelbünde. Die Bünde bekamen jedoch Konkurrenz, viele Parteien, Kirchen und Vereine kopierten jugendbewegte Formen und warben damit Mitglieder. 1921 gründeten die Zwillingsbrüder Oelbermann mit den Neurother Wandervögeln, Deutscher Ritterbund etwas völlig Neues, nicht in bündische Ordnungsmuster einzuordenbares. Arbeiterkinder fanden in diesem Bund ihren Platz, der Bund entwickelte eine ausgeprägte Singekultur.
1926 entstand der Bund der Wandervögel und Pfadfinder (BdWuP).
Als Ende der 20er Jahre die Führer der Jugendbewegungen sichtlich gealtert waren, drängte eine neue Generation auf die Führungsplätze. Einer der Wichtigsten war Eberhard Koebel, Tusk genanntTusk trat am 20. April 1932 demonstrativ an Führers Geburtstag der Kommunistischen Partei bei. Januar 1934 wurde Tusk inhaftiert und Juni 1934 emigrierte er nach England. Nach seiner Rückkehr 1948 versuchte er in der DDR nochmals, aber erfolglos, mit der FDJ Kontakt zu knüpfen. Am 3 1. August 1955 starb Tusk mit nur 48 Jahren in Ost-Berlin.
Ein weiterer elitärer Bund war das Graue Corps, das hohe Anforderungen an seine Mitglieder stellte. Aus dem tahoe-Ring in der Ringgemeinschaft Deutscher Pfadfinder entstand der Jungenbund Südlegion. Die Südlegion hatte sehr viel im Sinn mit Besinnlichkeit und Romantik, humanistischer Literatur und Philosophie, nichts aber mit Soldatentum und Drill. Literarisches Interesse und Lagerfeuerkultur waren sehr wichtig. Während der NS-Zeit arbeitete sie im Untergrund weiter. Ab 1933 wurden alle Bünde verboten, gleichgeschaltet und waren schlicht HJ, oder arbeiteten im Untergrund und leisteten teils aktiv Widerstand gegen das NS-Regime.
Knorre