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Comeback und Heiligenschein - Wolf wird zum neuen Stammesführer in Ravensburg gewählt

Stammesführer Wolf (mitte), mit seinen Stellvertretern Sitan (links) und Mario (rechts)

Ende der diesjährigen Sommerferien wählten die Gruppenleiter des Stamm Edelweißpiraten Wolf zu ihrem neuen Stammesführer. Dieser ist nun schon seit 15 Jahren Pfadfinder und zählt zu denen in unserem Bund, deren Name schon seit Sipplingszeiten in aller Munde ist. Wolf feiert mit seinem neuen Posten sein persönliches Stafü-Comeback (2000 – 2003 war er bereits als Mitglied der Stammesführung aktiv). Dass er auch ohne diesen Posten ehrenamtlich engagiert war beweist die lange Liste seiner sonstigen Hobbys: Pianist des Jugendchores der Dreifaltigkeitsgemeinde, Kassier des Stadtjugendrings Ravensburg, Gewähltes Mitglied des Kirchengemeinderates Dreifaltigkeit, Firmbegleiter der Kirchengemeinde Dreifaltigkeit ... Seit September diesen Jahres wird Wolf bei der Ravensburger Firma PKS zum Fachinformatiker ausgebildet.
 In der Summe könnte man Wolf also als Allrounder, Universal-Genie oder Workaholic bezeichnen. Der Begriff Pfadfinder beschreibt seine Vielfältigkeit aber noch besser. Als solcher darf der frischgebackene Stammesführer im Folgenden seine nachdenkliche Seite unter Beweis stellen.

Wolf, was sind deine Ziele als Stammesführer?
Nein, ich  strebe nicht die Erlangung der Weltherrschaft an und ich denke nicht einmal, dass es mir gelingen wird das mittlere Schussental zur Pfadfinderei zu bekehren.
Aber im Ernst: Wir haben mit unserem Stamm eine erstaunliche Größe erreicht und ein hübsches Heim gebaut. Zwei Dinge, auf die ich stolz bin und die ich erhalten möchte.

Außer dem Primärziel den Überblick über diesen Haufen zu behalten möchte ich also auch noch "unsere" Stammesimmobilie ein wenig heimatlicher gestalten, den Zusammenhalt unter unseren vielen Gruppenleitern fördern und ein Grundverständnis für die Werte der Pfadfinderei anpflanzen ... und ich bitte Gott und meine Freunde mir dabei zu helfen. ;-)

Was ist deiner Meinung nach ein absolutes "No-Go" als Stammesführer?
Ich glaube, dass man sich als Stammesführer bewusst sein sollte, dass man immer wieder Vorbild ist und daher fallen mir jetzt einige Verhaltensvorschriften für diese Frage ein. Aber bevor ich euch jetzt versuche weiß zu machen, dass ich in Zukunft Kniggevorturner und Walfischzurückschieber werden möchte, möchte ich euch sagen, was mir wirklich zu diesem Punkt eingefallen ist.

Als Stammesführer ist man schon öfters in der unangenehmen Rolle Leuten in den Hintern treten zu müssen, die den selbigen nicht hochbekommen. Dabei aber Leute zu beleidigen oder auf andere Weise persönlich zu verletzen ist das "No-Go", das ich vermeiden möchte.

Wie sieht deiner Meinung nach der perfekte Stammesführer aus?
Über den idealen Stammesführer haben wir ja schon auf der Stammesführerschulung gesprochen. Dabei entstand eine große Sammlung an idealen Eigenschaften, von denen ich sicher nicht alle vollständig zusammenbekommen werde.

Bei uns Edelweisspiraten denke ich ist die Gefahr besonders groß, dass einzelne untergehen. Neben solch wichtigen Charakterstärken wie Vorbildlichkeit, Zuverlässigkeit und einer guten Portion Organisationstalent muss ein Stammesführer darüber hinaus auch noch über eine große Menge Sensibilität verfügen um nicht nur ein Gehör für die lauten sondern auch Gespür für die leisen Bedürfnisse im Stamm zu haben.

Aus welchen Gründen engagierst du dich ehrenamtlich?
Hier gab es über die Jahre verteilt mehrere Gründe, die mich bewegt haben.
Auf der einen Seite halte ich Ehrenämter für geeignet nicht nur das Gesicht sondern auch den Geist einer Gesellschaft zu prägen, aber auf er anderen Seite für mich persönlich tue ich das um ganz gemäß eines Pfadfindergesetzes nicht nur Verantwortung für mich, sondern auch für andere zu übernehmen, Spaß an Hilfsbereitschaft und Einsatzfreudigkeit gemeinsam zu entdecken und letzten Endes Menschen mit etwas zu beschenken, für das ich dankbar bin, dass auch ich damit beschenkt worden bin.

Neben deiner Tätigkeit als Stammesführer bist du seit längerem als jüngstes Mitglied im Kirchengemeinderat deiner Heimatgemeinde Dreifaltigkeit aktiv. Welche Rolle spielt für dich der Glaube des einzelnen in unserem interkonfessionellen Bund?

Welche Rolle für mich der Glaube eines einzelnen in unserem Bund spielt kann ich ganz schwer sagen. Um festzulegen, welche Rolle etwas spielt muss man diese Sache in ihrer Wichtigkeit messen können und Glaube vor allem bei anderen zu messen ist mir bisher noch nicht gelungen. Ich kann mit meinen folgenden Worten versuchen darzustellen was mir mein Glaube bedeutet und wie ich seine Rolle bei den Pfadis empfinde.

Ich hätte mich ja - was in Wirklichkeit nie in Frage kam - auch einem katholischen Pfadfinderbund anschließen können und damit sogar in die Vorzüge der Weltpfadfinderverbandsmitgliedschaft kommen können. Aber auch als glaubender Christ verspüre ich irgendwie keinen Drang zur DPSG zu wechseln ;-). Das liegt unter anderem eben auch an meiner Überzeugung, dass es gut ist dass wir nur Pfadfinder sind und nicht auch noch religiöse oder politische Richtungen einschlagen. Leider wurde und wird heute noch Pfadfinder-Sein oftmals als Verpackung für schlechte Pakete missbraucht.

Bei uns aber bleibt Pfadfinder-Sein auch der Inhalt des Pakets und dieser Inhalt ist gut.

Ich habe eine Kirchengemeinde für mein Bedürfnis nach Spiritualität und einen Pfadfinderverein für mein Bedürfnis nach Erfahrungen von Gemeinschaft, Verantwortung und Natur. Dass mir diese Trennung möglich ist verdanke ich meiner Doppelmitgliedschaft in Kirche und Vereinen. Alle Bedürfnisse zu vermischen und Eier legende Wollmilchsäue zu schaffen, um Glauben, Gemeinschaft, politische Richtung, sportlichen Wettkampf und im schlimmsten Fall auch noch hemmungslosen Spaßkonsum um des bloßen Spaßes Willen anzubieten würde uns mit Sicherheit davon abbringen zu suchen, wo eigentlich unser Kern liegt. Wer allerdings einmal an einem Sonntag auf dem Lager das Bedürfnis haben sollte einen Gottesdienst zu besuchen, der dürfte in mir schon einen Fürsprecher finden können.

Ach ja, wo wir gerade schon fast bei meiner "streng" katholischen Erziehung waren... Denjenigen, die immer noch daran glauben, dass ich mich damit intensiv beschäftige, denen gebe ich noch gerne nach guter Katholikenmanier eine Bibelstelle mit auf den Weg, die meiner Meinung nach ganz passend beschreibt, wie wir unser Miteinander verstehen sollten. Einen schönen Teil des ersten Briefs von Paulus an die Korinther (Kap. 12 Vers 12). Der stellt für mich eine passende Beschreibung eines Ideals von einer Gemeinschaft dar. Der Text beschreibt die ideale Gemeinschaft als einen Leib, der aus vielen Gliedern mit ihren festen Aufgaben besteht. Der Leib aber kann nur bestehen, wenn jedes Glied seine Aufgabe wahrnimmt uns sich nicht über die anderen Glieder stellt. Versprochen: Das ist eine der wenigen Stellen, die ich wirklich kenne und für heute knipse ich meinen Scheinheiligenschein jetzt auch wieder aus.

Wolf, vielen Dank für das Interview!

Aktuelles:

Sonntag, 19. Februar '12 01:32

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Unter Eindrücke könnt ihr nun Bilder des Bundes-sommerlagers und der Stammes-führerschulung 2011 sowie der Bundes und Delegierten-versammlung 2012 anschauen.