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Donnerstag, 20. Mai '10 17:52 Alter: 2 yrs

Stadtpfadfinder- Akademie 2010 Leipzig

Rubrik: Allgemeines

Von: Beat Sandkühler

Im Leipziger Osten gibt es eine neue Art von Pfadfindern, die sich die Stadtpfadfinder nennen. Mit ihrer Arbeit verknüpfen sie pfadfinderische Grundelemente mit den besonderen Bedürfnissen von Jugendlichen in sozial benachteiligten Stadtteilen. Für die Jugendlichen sind die Leiter der Stadtpfadfinder Brüder und Schwestern, die immer für sie da sind, mit ihnen Fahrten ins Grüne unternehmen und wöchentlich Sport machen.
Ich, ein Pfadfinder der Edelweißpiraten aus dem Bund Horizonte, war bei der von den Stadtpfadfindern angebotenen Akademie 2010 in Leipzig und werde nun von meinen Erlebnissen berichten.
Angekommen bin ich am Freitag den 23.04.10 um ca. 17:00 Uhr. Ausgestiegen aus der Tram, gegenüber vom Haus der Stadtpfadfinder, war ich umgeben von geschlossenen Geschäften, müden Gesichtern und hohen, heruntergekommenen Wohnblocks. Im Haus ging es viele Stufen hinauf, vorbei an kaputten Wohnungen und bemalten Wänden. Oben angekommen wurde ich von Bruder David und zwei seiner Jungs aus der Crew der „Fly Boys“ begrüßt. Eine Wohnung gehörte Bruder David und Bruder Clemens, und die Wohnung direkt daneben war die „Basis“, also das Pfadiheim, der Stadtpfadfindern.
Die zwei Jungs gaben mir, nachdem ich meine Sachen losgeworden war, eine kleine Stadtführung durch ihre Lieblingsecken in Leipzig. Daraufhin erlebte ich eine Zeremonie, die mit einer Versprechensfeier verglichen werden könnte. Die Jungs der „Wild Panther“ Crew schafften die erste Carma und bekamen als Belohnung neue Stadtpfadfinder-Pullover und sie wurden aufgerufen und für ihre guten Leistungen gelobt.
Später kamen dann die anderen Teilnehmer der Akademie und wir lernten uns kennen. Zum Abendessen gab es einige gespendete Produkte aus dem Türkischen Supermarkt
nebenan.
Nach dem Abendessen erzählte David einiges über die Stadtpfadfinder, ihre Arbeit und Herausforderungen. Es waren auch einige Jungendlichen anwesend, die uns über ihre Erlebnisse bei den Stadtpfadfindern berichteten. Ins Bett ging es spät, da wir noch einige interessante Gespräche hatten und viel türkischen Tee tranken.
Am Samstag frühstückten wir früh und dann zogen wir mit vielen Mädchen und Jungen der Stadtpfadfinder in einen Park. Dort bauten wir eine Jurte auf, machten Feuer, aßen Stockbrot und spielten Spiele mit den Jugendlichen.
Diese schienen viel Spaß in der Natur zu haben, und es tat ihnen gut, sich mal wieder auszutoben. Daraufhin fing unser Parcourtraining an. Parcour ist der Sport, den die Leiter mit den Crews machen und der bei den Kindern und Jugendlichen sehr gut ankommt. Parcour ist eine spezielle Fortbewegungsart aus Frankreich und wird bei Leuten, die professionell Parcour betreiben, sogar als Lebenseinstellung gesehen.
Das Training dauerte vier Stunden - wir lernten die Grundtechniken des Parcour, übten auf einem riesigen verlassenen Bahnhof und machten Krafttraining. Nach den vier Stunden konnte keiner mehr, und wir gingen zurück zur Basis und warteten auf das Essen. Die Mutter eines Gründungmitgliedes der Stadtpfadfinder machte ca. 100 Lamacun, dünne Türkische Pizzen mit hauptsächlich Tomaten und Lammhackfleich.
Außerdem gab es verschiedene Salate, eine türkische Suppe und Fladenbrot. Mit vollen Bäuchen setzten wir uns wieder in einem Kreis zusammen und besprachen die Fragen zu den Stadtpfadfindern, die wir am Freitagabend niedergeschrieben hatten. Wir konnten jetzt schon fast alle von ihnen beantworten.
Gegen zehn startete ein Stadtgeländespiel und wir wurden unbewusst in zwei Gruppen aufgeteilt, mit denen wir uns später trafen, um ein kleines Spiel durchzuführen. Bei dem Spiel versuchten wir, uns mit Schaumstoffspeeren auf die Füße zu treffen und so den Gegenspieler „rauszuwerfen“. Nach dem Spiel lernte ich noch wie man Feuer spuckt und wir gingen wieder zurück zur Basis.
Einige der Teilnehmer der Akademie gingen schlafen, andere gingen noch bis spät in die Nacht nach Leipzig. Am nächsten Morgen musste ich schon früher aufbrechen, da ich eine 8-Stunden-Zugfahrt hatte und nicht zu spät am Sonntagabend ankommen wollte.
Insgesamt nahmen an dem Wochenende ca. 20 Teilnehmer teil, und ich bin voller Erlebnisse und Zufriedenheit nach Hause zurückgekehrt.
Die Stadtpfadfinder betreiben meiner Meinung nach sehr wichtige Arbeit in dem sozialen Brennpunkt der Eisenbahnstraße in Leipzig. Momentan steht der Verein leider vor einem Problem, da der Hauptkordinator David nächstes Jahr nach Amerika zieht. Außerdem muss der Verein ständig mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen, da die Familien der Kinder und Jugendlich in Leipzig keinen finanziellen Beitrag leisten können, da sie selber nichts haben.
Falls Sie mehr über die Stadtpfadfinder und ihre Aktionen und Hintergründe wissen wollen, können Sie die Website www.stadtpfadfinder.de besuchen. Außerdem können Sie den Stadtpfadfindern durch eine kleine Spende viele weitere Möglichkeiten zur produktiven Arbeit ermöglichen.
Dafür setzten sie sich bitte mit bruder.davidatstadtpfadfinder.de in Verbindung, der Ihnen sicher auch gerne alle Fragen über das Projekt beantwortet.

von Beat Sandkühler


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